„Oft kommen Leute zu uns ins Haus und fragen, ob wir eine Klimaanlage haben, weil es so angenehm kühl ist.“

Als mir meine Kundin das vor wenigen Tagen bei einem Besuch erzählte, freute ich mich wahnsinnig. Sogar der Installateur, der kurz zuvor im Haus war, hatte sich verwundert umgeschaut und nach der Kühlung gefragt. Die Antwort? Es gibt keine. Zumindest keine, die Strom verbraucht.

Die Ausgangslage:
Im Jahr 2022 kam die Bauherren-Familie zu mir. Fünf Personen (Eltern und drei Kinder), die das Obergeschoss des Elternhauses umbauen wollten. Ein Haus mit Geschichte, erbaut 1975, das dazwischen kaum saniert wurde und jetzt, im Jahr 2026, in völlig neuem Glanz erstrahlt.


Im gemeinsamen Planungsprozess haben wir schnell und ehrlich entschieden: Um auf den 110 m² Grundfläche genug Luft zum Atmen für eine so große Familie zu haben, müssen wir das Dachgeschoss ausbauen.
Um das Budget zu schonen, hat die Familie unglaublich viel in Eigenleistung gestemmt. Das Resultat ist heute ein absolutes Zuhause zum Wohlfühlen.

Das Geheimnis kühler Räume: Der Kamineffekt
Wie schafft man es nun, dass ein ausgebautes Dachgeschoss im Hochsommer nicht zur Sauna wird, ganz ohne teure Haustechnik? Die Antwort liegt in der Physik – genauer gesagt, im Kamineffekt.
Wenn man ein offenes Treppenhaus über zwei Stockwerke plant, passiert Folgendes: Die warme, verbrauchte Luft steigt naturgemäß nach oben und sammelt sich direkt unter dem Dach. Deshalb haben wir genau dort – am höchsten Punkt über der Treppe – zwei große Dachfenster eingeplant.

Wenn die Familie diese Fenster nun in einer kühlen Sommernacht öffnet, zieht die gestaute Hitze sofort nach draußen ab. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Sog, der von unten frische, kühle Luft nachziehen lässt. Es entsteht ein herrlich angenehmer Durchzug, der das gesamte Haus konstant herunterkühlt.
Weiter Tipps zur sommerlichen Abkühlung deines Zuhauses findest du hier–>
„Den Luftdurchzug hast du super geplant, das funktioniert fantastisch. Die ganze Hitze geht raus“,
hat mir die Bauherrin beim Kaffee glücklich bestätigt.
Zusätzlich wir der kühle Luftzug durch eine 16cm starke Lehmwand (beige, strukturierte Wand im Dachgeschoss) ergänzt. Diese Lehmwände sorgen nicht nur für ein unglaubliches Raumklima sondern speichern die Kühle der Nacht und geben sie tagsüber an die Räume ab. Die BauherrrInnen haben diese selbst aufbebaut und gespachtelt, mit dem Wissen von erfahrenen Handwerkern im Hintergrund.

Fenster, die mehr sind als nur Glas
Ein Haus, in dem man sich rundum wohlfühlt, braucht nicht nur gute Luft, sondern auch die richtige Verbindung nach draußen. Wenn wir schon große Fenster planen, wollen wir sie nicht einfach als glatte Flächen in der Wand belassen. Wir machen sie zu echten Lieblingsorten.

Deshalb haben wir eine tiefe, gemütliche Sitznische direkt in die große Fensterfront integriert. Stell dir vor: Es ist später Nachmittag, die flache Sonne scheint herein und wärmt dein Gesicht. Selbst wenn der Garten draußen unter einer dicken Schneedecke liegt, sitzt du hier drinnen sicher eingekuschelt, gefühlt mitten in der Natur.
Du möchtest mehr zu Fenster und Garten wissen? Dann klicke hier–>

„Das ist unser absoluter Lieblingsplatz, der wird eigentlich die ganze Zeit über genutzt. Alle lieben es, dort zu sitzen.“
Dieses Feedback der Familie war für mich die schönste Bestätigung, dass die Idee aufgegangen ist.
Das entspannte Leben zieht sich bis nach oben zur Galerie. Dort haben wir einen grosszügigen Balkon angedockt und gleichzeitig ein Dilemma der Bauordnung gelöst. Jetzt ist es der perfekte Ort um den Sommerabend bei einem Gläschen Wein direkt am offenen, gut durchlüfteten Wohnraum ausklingen zu lassenn – und zusätzlich noch das Bauamt glücklich macht.

Zeit, die sich auszahlt
Die Familie ist nach der vielen Eigenleistung zwar etwas geschafft, aber unglaublich glücklich in ihrem neuen Zuhause. Ein Satz der Bauherrin ist mir am Ende besonders im Gedächtnis geblieben:
„Ohne dein Konzept und deine Geduld wäre das nicht das Resultat geworden. Sich Zeit zu nehmen und ein Jahr zu planen, hat sich wirklich ausgezahlt.“

Und genau das ist es, was gute Architektur ausmacht: Sie löst physikalische Probleme fast unsichtbar und schafft gleichzeitig Orte, an denen man sich einfach geborgen fühlt.
Warum ein guter Umbauplan dein ganzes Leben verbessert erfährst du hier –>
Träumst du auch von einem Umbau, der genauso clever durchdacht ist?
Steckst du gerade selbst im „Vorher“ fest und der Weg zu deinem Traumhaus fühlt sich an wie ein riesiger Berg?
Dann schreibe mir drei kurze Sätze zu deinen geplanten Veränderungen und ich zeige dir wie das geht.

Du bist noch unsicher aber möchtest Inspirationen für dein umzubauendes Haus und dem gemütlichen Leseplatz in der Abendsonne Dann melde dich hier zu meinem Newsletter an lass dich mit Checklistem, liebevolle Ideen und erprobten Tricks aus 13 Jahren Umbau-Erfahrung.
Für den besten Start in deinen Umbau bekommst du am Anfang täglich einen Teil deines Willkommenspaket. 5 Tage lang – mit Checklisten und Vorher-Nachher Beispielen. Danach alle 2 Wochen.
Du möchtest dein Haus selber planen? Mit uns ArchitektInnen an deiner Seite? Dann klicke hier–>
Mehr Bilder zum Projekt hier:



Hier näheres zu den Autorin des Textes:
Dr. Ing. Lisi Wieser Lisi ist Architektin, eingetragene Ziviltechnikerin und eine absolute Verfechterin der alltagstauglichen Architektur. Sie studierte an der Technischen Universität in Delft (NL) und in Wien. Seit 13 Jahren plant sie mit ihrer prämierten Plattform Architektur für Alle ausschließlich Einfamilienhäuser um und neu – eine Expertise aus über 250 geplanten Häusern, die ihr unter anderem den Frauenpreis der TU Wien 2025 einbrachte. Nach ihrer Promotion an der TU Berlin erscheint im Herbst 2026 ihr Architektur-Fachbuch im transcript Verlag. Lisi gibt ihr Wissen zudem regelmäßig als Lektorin an der TU Wien, in Fachmagazinen .