Stell dir vor, alle loben deine Klimaanlage – und du hast gar keine.

„Oft kommen Leute zu uns ins Haus und fragen, ob wir eine Klimaanlage haben, weil es so angenehm kühl ist.“

Stell dir vor, alle loben deine Klimaanlage – und du hast gar keine.
Das grosszügige helle Wohnzimmer mit dahinterliegendem Abend-Sonnen-Balkon

Als mir meine Kundin das vor wenigen Tagen bei einem Besuch erzählte, freute ich mich wahnsinnig. Sogar der Installateur, der kurz zuvor im Haus war, hatte sich verwundert umgeschaut und nach der Kühlung gefragt. Die Antwort? Es gibt keine. Zumindest keine, die Strom verbraucht.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich der Renovierung eines Wohn- und Essbereichs. Das linke Bild zeigt den alten, eher dunklen und verwinkelten Raum mit grauem Sofa und grüner Trennwand. Das rechte Bild zeigt das helle, offene und modernisierte Ergebnis mit einer neuen Kücheninsel, einem großen Wandgemälde und einer breiten Glasschiebetür, die auf eine Holzterrasse mit Olivenbaum führt
Vorher-Nachher Foto der Küche – Ein grosszügiger Zugang auf die Terrasse statt zuerst über die Couch zu fallen bevors nach draussen geht;-)

Die Ausgangslage:

Im Jahr 2022 kam die Bauherren-Familie zu mir. Fünf Personen (Eltern und drei Kinder), die das Obergeschoss des Elternhauses umbauen wollten. Ein Haus mit Geschichte, erbaut 1975, das dazwischen kaum saniert wurde und jetzt, im Jahr 2026, in völlig neuem Glanz erstrahlt.

Eine zusammengesetzte Grafik aus zwei Fotos, die nebeneinander angeordnet sind. Das linke, schmalere Foto zeigt eine gemütliche, bewohnte Innenszene in einer Wohnung. Man sieht einen Teil eines Wohnzimmers mit einem grauen Sofa, einem bunten Vorhang mit orange-weißen Kreisen und Holzregalen voller Dinge. Ein grünes Rutschtier liegt auf dem Holzboden. Eine offene Tür führt auf einen hölzernen Balkon mit einem kleinen Holzregal, auf dem frisches Gemüse (Kürbis) und andere Gegenstände liegen, sowie einem aufgehängten Blumentopf. Der Ausblick vom Balkon zeigt eine grüne Hügellandschaft mit Bäumen und fernen Häusern unter klarem Himmel.

Das rechte, breitere Foto zeigt eine moderne, helle Wohnlandschaft. Im Vordergrund rechts ist die Ecke eines Sofas mit gelben und blauen Kissen zu sehen. Daneben befindet sich ein großes, weiß gerahmtes Fenster mit Ausblick auf die gleiche Hügellandschaft wie auf dem linken Bild, mit einer hölzernen Terrasse davor. Der Innenraum ist geprägt von Holzböden und hellen Wänden. Eine hölzerne Treppe führt nach oben, flankiert von einer hölzernen Küchentheke. Mehrere Topfpflanzen dekorieren den Bereich, darunter eine große Pflanze in einem Topf am Boden und kleinere Töpfe auf Regalen neben den Stufen. Ein Gang führt im Hintergrund zu Schiebeglastüren, die ebenfalls auf einen Balkon führen. Die Decke zeigt sichtbare Holzbalken.
Ein Vorher-Nachher-Vergleich einer Küchenrenovierung. Links die alte Küche mit einer orangen Wand und einer hängenden Abzugshaube; rechts die modernisierte, lichtdurchflutete Küche mit großen Panoramafenstern, einer dunklen Arbeitsplatte auf der Kochinsel und einem freien Blick auf eine Berglandschaft.
Vorher -Nachher Foto der Küche – Der grosszügige Blick in die Berge wird aufs Schneidebrett geholt.

Im gemeinsamen Planungsprozess haben wir schnell und ehrlich entschieden: Um auf den 110 m² Grundfläche genug Luft zum Atmen für eine so große Familie zu haben, müssen wir das Dachgeschoss ausbauen.

Um das Budget zu schonen, hat die Familie unglaublich viel in Eigenleistung gestemmt. Das Resultat ist heute ein absolutes Zuhause zum Wohlfühlen.

"Dachbodenverwandlung: Vorher-Nachher-Vergleich. Links: Unfertiger Dachboden mit Holzsparren, Metallwellblechdach und Rohbauzustand. Rechts: Derselbe Raum fertig renoviert als heller, moderner Gang mit Holzdielen, Lehmwand und einem großen Kachelkaminofen."
Vorher-Nachher: Das alte unausgebaute Dachgseschoss wird zum luftigen Wohnzimmer mit Kamin.

Das Geheimnis kühler Räume: Der Kamineffekt

Wie schafft man es nun, dass ein ausgebautes Dachgeschoss im Hochsommer nicht zur Sauna wird, ganz ohne teure Haustechnik? Die Antwort liegt in der Physik – genauer gesagt, im Kamineffekt.

Wenn man ein offenes Treppenhaus über zwei Stockwerke plant, passiert Folgendes: Die warme, verbrauchte Luft steigt naturgemäß nach oben und sammelt sich direkt unter dem Dach. Deshalb haben wir genau dort – am höchsten Punkt über der Treppe – zwei große Dachfenster eingeplant.

"Draufsicht auf eine elegante Holzwendetreppe und einen hellen, offenen Wohnbereich mit Betonboden. Natürliches Sonnenlicht flutet den Raum durch große Glasschiebetüren, die zu Balkonen führen. An den Wänden hängen moderne Kunstwerke."

Wenn die Familie diese Fenster nun in einer kühlen Sommernacht öffnet, zieht die gestaute Hitze sofort nach draußen ab. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Sog, der von unten frische, kühle Luft nachziehen lässt. Es entsteht ein herrlich angenehmer Durchzug, der das gesamte Haus konstant herunterkühlt.

Weiter Tipps zur sommerlichen Abkühlung deines Zuhauses findest du hier–>

„Den Luftdurchzug hast du super geplant, das funktioniert fantastisch. Die ganze Hitze geht raus“,

hat mir die Bauherrin beim Kaffee glücklich bestätigt.

Zusätzlich wir der kühle Luftzug durch eine 16cm starke Lehmwand (beige, strukturierte Wand im Dachgeschoss) ergänzt. Diese Lehmwände sorgen nicht nur für ein unglaubliches Raumklima sondern speichern die Kühle der Nacht und geben sie tagsüber an die Räume ab. Die BauherrrInnen haben diese selbst aufbebaut und gespachtelt, mit dem Wissen von erfahrenen Handwerkern im Hintergrund.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich eines Dachausbaus. Die linke Seite zeigt einen rohen, unfertigen Dachboden mit groben Betonwänden, Estrichboden und nackten Holzbalken. Die rechte Seite zeigt denselben Raum, der in einen hellen, modernen Wohnbereich verwandelt wurde, mit edlem Holzboden, verkleideter Decke, großen Dachfenstern, restaurierten Balken, ockerfarbener Akzentwand und Kunstwerken. Eine Treppe führt nach unten.

Fenster, die mehr sind als nur Glas

Ein Haus, in dem man sich rundum wohlfühlt, braucht nicht nur gute Luft, sondern auch die richtige Verbindung nach draußen. Wenn wir schon große Fenster planen, wollen wir sie nicht einfach als glatte Flächen in der Wand belassen. Wir machen sie zu echten Lieblingsorten.

Ein gemütlicher Fensterplatz mit Polstern und Kissen (rosa, botanisch gemustert, tiefblau), der einen weiten Panoramablick auf einen üppigen grünen Garten und einen wolkenverhangenen blauen Himmel bietet.
Das Sitzpanoramafenster mit weitem Blick in die Natur.

Deshalb haben wir eine tiefe, gemütliche Sitznische direkt in die große Fensterfront integriert. Stell dir vor: Es ist später Nachmittag, die flache Sonne scheint herein und wärmt dein Gesicht. Selbst wenn der Garten draußen unter einer dicken Schneedecke liegt, sitzt du hier drinnen sicher eingekuschelt, gefühlt mitten in der Natur.

Du möchtest mehr zu Fenster und Garten wissen? Dann klicke hier–>

"Vorher-Nachher-Vergleich einer Wohnraum-Renovierung: Ein schlichtes, hellgelbes Schlafzimmer (links) verwandelt in einen modernen Wohn-Essbereich mit strukturiertem Lehmputz, Holz-Esstisch und gemütlichem Sitzfenster (rechts)."
Vorher-Nachher: Wie das alte Schlafzimmer jetzt zum Abendsonnenort wurde mit dem Sitzpanormafenster rechts seht ihr hier!

„Das ist unser absoluter Lieblingsplatz, der wird eigentlich die ganze Zeit über genutzt. Alle lieben es, dort zu sitzen.“

Dieses Feedback der Familie war für mich die schönste Bestätigung, dass die Idee aufgegangen ist.

Das entspannte Leben zieht sich bis nach oben zur Galerie. Dort haben wir einen grosszügigen Balkon angedockt und gleichzeitig ein Dilemma der Bauordnung gelöst. Jetzt ist es der perfekte Ort um den Sommerabend bei einem Gläschen Wein direkt am offenen, gut durchlüfteten Wohnraum ausklingen zu lassenn – und zusätzlich noch das Bauamt glücklich macht.

Zeit, die sich auszahlt

Die Familie ist nach der vielen Eigenleistung zwar etwas geschafft, aber unglaublich glücklich in ihrem neuen Zuhause. Ein Satz der Bauherrin ist mir am Ende besonders im Gedächtnis geblieben:

„Ohne dein Konzept und deine Geduld wäre das nicht das Resultat geworden. Sich Zeit zu nehmen und ein Jahr zu planen, hat sich wirklich ausgezahlt.“

Zweiteiliger Vorher-Nachher-Vergleich einer Wohnraum- und Terrassenrenovierung. Links: Ein dunklerer, überladener Wohnbereich mit altem Sofa, Bücherregal und verdeckter Fensterfront. Rechts: Die helle Verwandlung mit einer modernen Küche, einer neuen Holztreppe, poliertem Beton und einer großen Glas-Schiebetür, die auf eine geräumige Holzterrasse mit Topfpflanzen und einem weiten Blick über Hügel und Felder führt. Eine große Yucca-Palme steht neben der Tür.
Vorher-Nachher Foto des Wohnzimmers vorher und nun des Treppenaufgangs und der Küche.

Und genau das ist es, was gute Architektur ausmacht: Sie löst physikalische Probleme fast unsichtbar und schafft gleichzeitig Orte, an denen man sich einfach geborgen fühlt.

Warum ein guter Umbauplan dein ganzes Leben verbessert erfährst du hier –>

Träumst du auch von einem Umbau, der genauso clever durchdacht ist?
Steckst du gerade selbst im „Vorher“ fest und der Weg zu deinem Traumhaus fühlt sich an wie ein riesiger Berg?

Dann schreibe mir drei kurze Sätze zu deinen geplanten Veränderungen und ich zeige dir wie das geht.

Eine lächelnde Frau mit blonden Haaren, (Lisi) die ein gelbes Oberteil und einen schwarz-weiß gemusterten Rock trägt, sitzt an einem langen, massiven Holztisch in einem hellen, modernen Essbereich. Der Raum hat eine offene Gestaltung, große Fenster mit einem Panoramablick auf eine grüne Hügellandschaft, eine dunkle Sitzbank an der Wand und mehrere Holzstühle. Links ist eine offene Küche mit Holzfronten und eine große Pflanze zu sehen. Ein Paar Sandalen liegt im Vordergrund auf dem grauen Betonboden.


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Mehr Bilder zum Projekt hier:

"Vorher-Nachher-Vergleich einer Renovierung: Ein Wohnraum mit grüner Wand und altem Kamin (links) wurde zu einer offenen, modernen Wohnküche mit großer Kochinsel und hellem Essbereich (rechts) umgebaut."
Wo vorher eine Wand den Raum beengte steht jetzt die großzügige Kochinsel.
Eine Foto-Collage, die einen Vorher-Nachher-Vergleich einer Renovierung zeigt. Auf der linken Seite ein schmaler Flur mit einer ausgefahrenen Dachbodenleiter aus Metall, die von einer Deckenluke herunterhängt. Der Flur ist mit Schränken voller Gegenstände zugestellt. Auf der rechten Seite derselbe Raum nach der Renovierung als heller, offener Wohnbereich mit einer breiten Holztreppe, einer modernen Küche mit Holzinsel und einem großen, farbenfrohen Kunstwerk an der Wand.
Gegenüberstellung: Was vorher ein kleiner Zugang zum nicht benutzen Dachboden war wird zur grosszügigen Treppe die die neuen Wohnräume miteinander verbinden und gleichzeitg als Klimaanlage funktioniert.
"Vorher-Nachher-Vergleich einer Renovierung: Blick von einer alten, engen Wohnküche zu einem modernen, offenen Essbereich mit großem Holztisch, Gussboden und Panoramafenster."
Vorher-Nachher wieder an der exakt gleichen Stelle. Mit Blick zum Esstisch

Hier näheres zu den Autorin des Textes:

Dr. Ing. Lisi Wieser Lisi ist Architektin, eingetragene Ziviltechnikerin und eine absolute Verfechterin der alltagstauglichen Architektur. Sie studierte an der Technischen Universität in Delft (NL) und in Wien. Seit 13 Jahren plant sie mit ihrer prämierten Plattform Architektur für Alle ausschließlich Einfamilienhäuser um und neu – eine Expertise aus über 250 geplanten Häusern, die ihr unter anderem den Frauenpreis der TU Wien 2025 einbrachte. Nach ihrer Promotion an der TU Berlin erscheint im Herbst 2026 ihr Architektur-Fachbuch im transcript Verlag. Lisi gibt ihr Wissen zudem regelmäßig als Lektorin an der TU Wien, in Fachmagazinen .

Autor: Lisi Wieser

Lisi Wieser, Architektin, leitet seit 2012 das Atelier "Architektur für Alle!". 2020 entwickelte sich daraus ein neues Entwurfsformat: das Online-Plancoaching. Als Doktorandin erforscht Wieser zurzeit neben ihrer Tätigkeit im Atelier "Architektur für Alle! Planen für kleine Wohnarchitekturen - Strategien im Umgang mit der Unplanbarkeit alltäglicher Architekturen “an der TU Berlin (seit 2019). Seit 2015 unterrichtet Sie Entwurf an der TU Wien. Sie engagierte sich politisch in der ZiviltechnikerInnenkammer (2015-2019), studierte an der TU Delft (2004) und verbrachte 2006 ein Auslandsjahr bei Dive Architects in London. Ihr Architekturstudium schloss sie 2007 an der TU Wien mit Auszeichnung bei Prof. William Alsop ab.